Meersalz, Himalayasalz oder Jodsalz: Wo liegt der Unterschied?

Meersalz klingt natürlich. Fleur de Sel hochwertig. Himalayasalz fällt durch seine rosa Farbe auf und wird häufig mit seinen zahlreichen Mineralstoffen beworben. Daneben steht im Supermarkt eine deutlich unspektakulärere Packung: Jodsalz mit Fluorid.
Aber ist eines dieser Salze tatsächlich gesünder?
Die kurze Antwort: Die meisten Speisesalze unterscheiden sich ernährungsphysiologisch viel weniger, als ihre Namen vermuten lassen. Eine kleine Ausnahme kann allerdings wichtiger sein als Herkunft, Farbe und Preis zusammen: zugesetztes Jod.
Was Meersalz, Steinsalz und Fleur de Sel unterscheidet
Fast jedes Speisesalz besteht zum ganz überwiegenden Teil aus Natriumchlorid. Unterschiede entstehen vor allem durch Herkunft, Gewinnung, Verarbeitung, Kristallgröße und geringe Mengen anderer Stoffe.
Meersalz entsteht durch die Verdunstung von Meerwasser. Steinsalz wird aus unterirdischen Salzlagerstätten gewonnen, die aus früheren Meeren entstanden sind. Himalayasalz ist ebenfalls ein Steinsalz. Seine typische rosa Farbe entsteht unter anderem durch Eisenverbindungen.
Fleur de Sel ist wiederum Meersalz. Es bildet sich unter bestimmten Bedingungen als dünne Kristallschicht an der Oberfläche von Salinen und wird abgeschöpft. Die besondere Kristallstruktur kann beim Kochen und vor allem beim Nachsalzen geschmacklich interessant sein.
Damit können sich die Salze durchaus unterschiedlich anfühlen und schmecken.
Für die Nährstoffversorgung ist ihre Gemeinsamkeit aber entscheidender: Der Hauptbestandteil bleibt Natriumchlorid.
Sind die Mineralstoffe im Himalayasalz ein Vorteil?
Hier wird es interessant, denn die Werbeaussage ist nicht komplett erfunden.
Rosa Salze können tatsächlich verschiedene Mineralstoffe wie Calcium, Kalium, Magnesium und Eisen enthalten. Eine Untersuchung analysierte 31 im Handel erhältliche rosa Salze und fand deutliche Unterschiede in ihrer Mineralstoffzusammensetzung.
Entscheidend ist allerdings nicht nur, ob ein Mineralstoff vorhanden ist, sondern wie viel davon aufgenommen wird.
Die Forschenden berechneten, dass mehr als 30 Gramm rosa Salz pro Tag nötig wären, damit die enthaltenen Mineralstoffe einen relevanten Beitrag zur Nährstoffzufuhr leisten. Das entspricht ungefähr sechs Teelöffeln.
Die WHO empfiehlt Erwachsenen dagegen weniger als 5 Gramm Salz pro Tag.
Himalayasalz enthält also tatsächlich zusätzliche Mineralstoffe. In einer sinnvollen Verzehrmenge sind diese Mengen jedoch zu klein, um daraus eine relevante Mineralstoffquelle zu machen.
Das gleiche Grundprinzip gilt für Spurenelemente in Meersalz oder Fleur de Sel.
Warum Meersalz trotzdem keine gute Jodquelle ist
Beim Jod liegt ein naheliegender Denkfehler nahe: Wenn das Meer Jod enthält, müsste Meersalz doch automatisch reich an Jod sein.
Tatsächlich sind die Mengen in normalem Meersalz gering.
Nach Angaben des Bundesministeriums enthält nicht jodiertes Speisesalz ungefähr 0,2 Mikrogramm Jod pro Gramm, Meersalz etwa 0,7 Mikrogramm pro Gramm.
Bei Jodsalz sind in Deutschland dagegen gesetzlich 15 bis 25 Mikrogramm Jod pro Gramm Salz vorgesehen.
Damit wird der Unterschied deutlich: Ein Salz kann „aus dem Meer“ stammen und trotzdem nur sehr wenig Jod liefern.
Entscheidend ist nicht die Herkunft, sondern die Jodierung.
Und die Kategorien schließen sich nicht aus. Es gibt beispielsweise auch jodiertes Meersalz.
Warum wenige Mikrogramm Jod wichtiger sein können als viele Spurenelemente
Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement. Die Schilddrüse benötigt es zur Herstellung der Schilddrüsenhormone Thyroxin, kurz T4, und Trijodthyronin, kurz T3.
Diese Hormone spielen unter anderem für Energiestoffwechsel, Wachstum sowie die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem eine Rolle.
Die DGE hat ihre Referenzwerte 2025 aktualisiert. Für Erwachsene liegt die empfohlene Jodzufuhr heute bei 150 Mikrogramm pro Tag.
Genau hier zeigt sich der interessante Gegensatz zum Himalayasalz.
Dort finden wir viele Mineralstoffe in sehr kleinen, ernährungsphysiologisch kaum relevanten Mengen. Beim Jodsalz wird dagegen gezielt nur eine winzige Menge eines einzigen Spurenelements ergänzt, die im Verhältnis zum täglichen Bedarf relevant sein kann.
Deshalb empfehlen DGE und andere Fachinstitutionen: Wenn Salz verwendet wird, möglichst jodiertes Speisesalz wählen.
Das bedeutet nicht, mehr Salz zu essen. Es bedeutet, das Salz, das ohnehin verwendet wird, sinnvoll auszuwählen.
Und warum gibt es Jodsalz mit Fluorid?
Manche Packungen tragen zusätzlich den Hinweis „mit Fluorid“.
Fluorid ist anders einzuordnen als Jod. Es gilt nicht als essenzieller Nährstoff, besitzt aber eine gut untersuchte kariespräventive Wirkung. Es kann unter anderem dazu beitragen, Zähne gegenüber Säureangriffen widerstandsfähiger zu machen.
Fluoridiertes Speisesalz enthält in Deutschland 310 Milligramm Fluorid pro Kilogramm. Bei zwei Gramm Salz wären das ungefähr 0,6 Milligramm Fluorid.
Für Deutschland ist das interessant, weil die Fluoridkonzentration im Trinkwasser meistens relativ niedrig ist. Die DGE gibt an, dass etwa 90 Prozent des Trinkwassers weniger als 0,25 Milligramm Fluorid pro Liter enthalten.
Bei niedriger Fluoridkonzentration im Trinkwasser wird deshalb neben fluoridhaltiger Zahnpasta auch fluoridiertes Speisesalz empfohlen. Liegt das Trinkwasser dagegen über 0,7 Milligramm Fluorid pro Liter, soll kein fluoridiertes Speisesalz verwendet werden.
Für viele Haushalte lässt sich die Empfehlung deshalb recht einfach zusammenfassen: Wenn Salz, dann sparsam und möglichst mit Jod und Fluorid.
Welches Salz ist nun das beste?
Es kommt darauf an, was man unter „besser“ versteht.
Für Geschmack und Küche können grobes Meersalz, Fleur de Sel oder Steinsalz durchaus interessant sein. Kristallgröße, Textur und Art der Verwendung können beeinflussen, wie Salz beim Essen wahrgenommen wird.
Als besondere Mineralstoffquelle eignen sich teure oder exotische Salze dagegen kaum.
Für den täglichen Gebrauch ist die Entscheidung deutlich unspektakulärer:
- Salz insgesamt sparsam verwenden.
- Wenn Salz verwendet wird, möglichst Jodsalz wählen.
- Für viele Haushalte ist Jodsalz mit Fluorid sinnvoll.
- Meersalz, Fleur de Sel, Steinsalz oder Himalayasalz können kulinarisch interessant sein, sind aber aufgrund ihrer Spurenelemente nicht automatisch gesünder.
Was das mit essen-messen zu tun hat
Salz ist ein gutes Beispiel dafür, warum wir Lebensmittel nicht nur nach Aussehen, Herkunft oder einzelnen Marketingbegriffen beurteilen sollten.
Ein rosafarbenes Salz kann eine lange Liste verschiedener Mineralstoffe enthalten und für unsere Mineralstoffversorgung trotzdem kaum relevanter sein als gewöhnliches Speisesalz.
Gleichzeitig können wenige Mikrogramm zugesetztes Jod einen wesentlich größeren Unterschied machen.
Genau diese Ebene ist für essen-messen interessant: Welche Stoffe stecken tatsächlich in einem Lebensmittel, in welcher Menge sind sie vorhanden und welche davon sind für den Körper überhaupt relevant?
Denn manchmal ist nicht das auffälligste Molekül das wichtigste.
Und manchmal steckt der ernährungsphysiologisch größte Unterschied in etwas, das wir weder sehen noch schmecken können.
Fazit
Meersalz ist nicht automatisch gesünder, weil es aus dem Meer stammt. Himalayasalz wird nicht durch seine zusätzlichen Mineralstoffe zu einer relevanten Mineralstoffquelle. Und Fleur de Sel ist vor allem kulinarisch besonders.
Jodsalz wirkt dagegen ziemlich unspektakulär. Ernährungsphysiologisch ist gerade der gezielte Zusatz von Jod aber einer der relevantesten Unterschiede zwischen den Salzarten.
Die bessere Frage lautet deshalb nicht unbedingt: Woher kommt mein Salz? Sondern: Was steckt in einer tatsächlich relevanten Menge darin?
Referenzen
- [1]An Analysis of the Mineral Composition of Pink Salt Available in Australia
- [2]Neue Referenzwerte für die Jodzufuhr
- [3]Jod: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr
- [4]Salz mit Kalium- oder Natriumjodat: Die vereinfachte Angabe „Jodsalz“ ist aus gesundheitlicher Sicht ausreichend
- [5]FAQ Speisesalz
- [6]FAQ Fluorid
- [7]Healthy diet: Salt and sodium